Eine richtig gute Bratensoße selber machen ist kein Hexenwerk – du brauchst nur Röstgemüse, etwas Geduld und einen Topf. Hier bekommst du die klassische braune Soße aus Knochen und Gemüse und zusätzlich eine schnelle Variante, die ohne Braten in etwa 20 Minuten fertig ist.
Bei uns gibt es spätestens ab November jeden Sonntag irgendetwas Geschmortes – und ohne eine dunkle, glänzende Soße für Braten wäre das nur halb so schön. Das Geheimnis ist kein Pulver aus der Tüte, sondern Röstaromen: Knochen und Gemüse werden kräftig angeröstet, Tomatenmark karamellisiert, dann wird mehrmals abgelöscht und eingekocht. So entsteht Tiefe, die man schmeckt.
Wenn es schnell gehen muss, zeige ich dir weiter unten meine Bratensoße ohne Fleisch-Fond: Zwiebeln, Tomatenmark, Mehlschwitze und Brühe – in 20 Minuten ist sie fertig und schmeckt trotzdem nach Sonntag. Du kochst vegan? Dann nimm meine vegane Bratensoße.
Warum diese braune Soße so viel Geschmack hat
Drei Schritte machen den Unterschied: Erstens kräftig rösten – Knochen und Gemüse dürfen richtig braun werden, aber nicht schwarz. Zweitens Tomatenmark anrösten, bis es dunkelrot wird und am Topfboden ansetzt. Drittens mehrmals ablöschen und einkochen: Jedes Mal lösen sich Röststoffe vom Boden, und die Soße wird dunkler und runder. Zum Schluss kalte Butter oder etwas Speisestärke – und die Soße glänzt.
Die Soße passt perfekt zu meinen klassischen Rinderrouladen, zum Sauerbraten und zu Semmelknödeln. Als Beilage gehört für mich Apfelrotkohl dazu. Und wenn du einen deftigen Schmortopf magst, probier mein Rindergulasch mit Paprika.
Übrig gebliebene Soße und Braten? Daraus wird ein French Dip Sandwich mit Au Jus – mein liebstes Resteessen.
Zutaten für 4 Portionen
- 1 kg Rinder- oder Kalbsknochen (vom Metzger, in Stücke gesägt)
- 2 EL Rapsöl
- 2 Zwiebeln (ca. 200 g)
- 2 Karotten (ca. 200 g)
- 150 g Knollensellerie
- 1 Stange Lauch (nur das Weiße und Hellgrüne)
- 2 EL Tomatenmark
- 400 ml trockener Rotwein (oder Traubensaft + 1 EL Essig)
- 1,5 l kaltes Wasser
- 2 Lorbeerblätter
- 5 Pfefferkörner, 3 Wacholderbeeren, 1 Zweig Thymian
- 1–2 EL Speisestärke (zum Binden)
- 20 g kalte Butter (optional, zum Abrunden)
- Salz, Pfeffer, 1 Prise Zucker
Tipp: Nimm 2 cm große Gemüsewürfel – kleiner verbrennen sie beim Rösten. Ergibt etwa 600–700 ml fertige Soße, genug für 4 Portionen mit Nachschlag.
Zubereitung – Schritt für Schritt
- Knochen rösten. Heize den Backofen auf 220 °C Ober-/Unterhitze vor. Verteile die Knochen auf einem Blech, beträufle sie mit 1 EL Öl und röste sie 30–40 Minuten, bis sie kräftig braun sind. Zwischendurch einmal wenden.
- Gemüse anrösten. Schäle Zwiebeln, Karotten und Sellerie und schneide alles mit dem Lauch in etwa 2 cm große Würfel. Erhitze 1 EL Öl in einem großen Bräter und röste das Gemüse bei mittlerer bis hoher Hitze 8–10 Minuten, bis es deutlich Farbe hat.
- Tomatenmark rösten und ablöschen. Rühre das Tomatenmark unter und röste es 2–3 Minuten mit, bis es dunkler wird und leicht am Boden ansetzt. Lösche mit einem Drittel des Rotweins ab, kratze den Bratensatz los und lass den Wein fast vollständig einkochen. Wiederhole das mit dem restlichen Wein in zwei Portionen.
- Auffüllen und köcheln. Gib die gerösteten Knochen samt Bratensatz vom Blech in den Bräter (das Blech mit etwas Wasser loskochen). Gieße 1,5 l kaltes Wasser an, gib Lorbeer, Pfeffer, Wacholder und Thymian dazu und lass alles offen bei kleiner Hitze 1,5–2 Stunden leise köcheln. Schaum gelegentlich abschöpfen.
- Passieren und reduzieren. Gieße den Fond durch ein feines Sieb und drücke das Gemüse leicht aus. Entfette die Oberfläche mit einem Löffel. Koche den Fond offen auf etwa 600–700 ml ein, damit er kräftig schmeckt.
- Binden und abschmecken. Rühre die Speisestärke mit 3 EL kaltem Wasser glatt und rühre sie in die köchelnde Soße, bis sie leicht sämig ist. 1 Minute köcheln lassen. Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker abschmecken und zum Schluss die kalte Butter in Flocken unterschwenken – fertig ist deine Bratensoße.
Schnelle Bratensoße ohne Braten (in 20 Minuten)
Keine Knochen, kein Braten, aber Lust auf Soße? So geht die schnelle Variante für 4 Portionen:
- 1 große Zwiebel fein würfeln und in 2 EL Butter 6–8 Minuten goldbraun braten.
- 1 EL Tomatenmark 2 Minuten mitrösten, dann 1 gehäuften EL Mehl (ca. 15 g) darüberstäuben und unter Rühren hellbraun anschwitzen.
- Mit 100 ml Rotwein ablöschen, einkochen lassen, dann nach und nach 500 ml kräftige Rinderbrühe (oder Gemüsebrühe) einrühren.
- Mit 1 Lorbeerblatt und 1 TL Sojasoße 10 Minuten köcheln lassen, durch ein Sieb gießen oder pürieren. Mit Salz, Pfeffer und 1 TL Johannisbeergelee abschmecken.
Diese Bratensoße schnell ist ideal zu Frikadellen, Kartoffelpüree oder Resten vom Sonntagsbraten.
Tipps für das perfekte Ergebnis
- Nicht zu dunkel rösten: Braun ja, schwarz nein – verbrannte Stellen machen die Soße bitter.
- Kalt angießen: Kaltes Wasser zieht mehr Geschmack aus Knochen und Gemüse, und der Fond wird klarer.
- Soße zu dünn?: Offen weiter einkochen oder etwas mehr angerührte Speisestärke nehmen.
- Soße zu salzig?: Mit ungesalzenem Fond oder Wasser strecken – mehr Rettungstipps findest du unter Soße retten.
Variationen
- Mit Bratensatz: Hast du einen Braten im Ofen, löse den Bratensatz mit etwas Fond und gib ihn zur Soße – mehr Geschmack geht nicht.
- Wildsoße: Statt Rind Wildknochen verwenden, 2 zusätzliche Wacholderbeeren und 1 EL Preiselbeeren zum Abschmecken.
- Ohne Alkohol: Rotwein durch Traubensaft plus 1 EL Rotweinessig ersetzen.
- Rahmsoße: Zum Schluss 100 ml Sahne einrühren – passt toll zu Schnitzel und Champignons.
Aufbewahren & Einfrieren
Im Kühlschrank hält die Bratensoße gut verschlossen 3–4 Tage. Sie lässt sich hervorragend einfrieren – am besten portionsweise in Gefrierbeuteln oder Eiswürfelformen, bis zu 3 Monate. Mein Tipp für die Feiertage: Den Fond schon im November kochen, ungebunden einfrieren und am Festtag nur noch auftauen, reduzieren und binden.
Serviervorschlag
Zu Rinderrouladen, Rinderbraten oder Sauerbraten mit Semmelknödeln oder Kartoffelklößen und einer großen Schüssel Apfelrotkohl.



